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Panoramafoto: Biberach

Wann werden Strom und Gas wieder günstiger?

(vom 24.01.2023)

Interview mit e.wa riss - Geschäftsführer Paul-Vincent Abs

Steigende Energiepreise, dazu die Befürchtung, dass es zu Gasmangel oder einem längeren Stromausfall kommt – die Folgen des Ukrainekriegs machen sowohl den Strom- und Gaskunden, als auch den Energieversorgern zu schaffen. Paul-Vincent Abs, Geschäftsführer des Biberacher Energieversorgers e.wa riss, spricht im Interview über die Herausforderungen des vergangenen Jahres, gibt einen Ausblick auf die Entwicklung der Gas- und Strompreise in diesem Jahr und erläutert, in welchen Geschäftsfeldern er die Zukunft der e.wa riss sieht.

Herr Abs, das Jahr 2022 war im Energiebereich turbulenter, als man dies zu Jahresbeginn erwartet hatte. Was waren die größten Herausforderungen?

Mit dem Krieg in der Ukraine begann eine Energiekrise, mit Strom- und Gaspreisen, die die deutsche Volkswirtschaft so auf Dauer nicht bezahlen kann. Die Herausforderung für uns als kleiner Energieversorger war, auch in dieser Situation noch einigermaßen faire Preise anbieten zu können. Wir saßen in dieser Zeit alle zwei bis drei Tage mit unserem Beschaffungsteam zusammen und haben unsere Strategie besprochen. Das war nicht einfach, aber ich glaube, es ist uns mit unserem überschaubaren Team ganz gut gelungen – in einer Zeit, in der andere Stadtwerke teilweise pleite gegangen sind oder vielen Kunden gekündigt haben. Das konnten wir alles abwenden. Wir stehen stabil da. Hinzu kam bei uns intern, dass wir Veränderungen in der IT vorgenommen haben, die sich von Ende 2021 bis ins vierte Quartal 2022 gezogen haben. Die Kunden haben das gespürt. So dauerten zum Beispiel die Abrechnungen länger. Inzwischen haben wir das hinter uns.

Bestand im vergangenen Jahr auch für Biberach die Gefahr, dass die Gasversorgung zusammenbrechen könnte?

Die Bundesnetzagentur sowie die verschiedenen Netzbetreiber haben die Situation auf dem Gasmarkt kontinuierlich beobachtet und Notfallpläne erarbeitet.  Darüber hinaus hat die Bundesregierung mit der Verstaatlichung von Gas-Vorlieferanten die richtige Entscheidung getroffen und die Märkte stabilisiert. Insgesamt kann man sagen, dass Deutschland mit einem blauen Auge davongekommen ist.

Wie ist die Situation aktuell? Kommen wir ohne Gasknappheit durch den Winter?

Laut Aussage der Bundesnetzagentur sind die Gasspeicher derzeit zu knapp 90 Prozent gefüllt. Das sollte laut den Expertenausreichen, um gut durch den Rest des Winters zu kommen.

Der Bundeswirtschaftsminister ermahnt die Bürger ja ständig, weiterhin Gas zu sparen. Halten sich die Biberacher daran?

Bei unseren Geschäftskunden, also den Firmen, sehen wir tatsächlich, dass signifikant Gas gespart wird. Da geht es ja auch um beträchtliche Kosten. Bei den Privatkunden ist der Verbrauch zwar auch etwas zurückgegangen, aber nicht in vergleichbarem Maße.

Wie wird sich der Gaspreis 2023 entwickeln? Wird es für die Kunden wieder günstiger?

Das ist von vielen Parametern und Unwägbarkeiten abhängig. Wir hatten 2022 zum Teil sehr hohe Preise, inzwischen sind sie wieder rückläufig. Da wir eine langfristige Beschaffungsstrategie haben, sind darin sowohl hohe als auch niedrige Einkaufspreise enthalten. Das bedeutet aber auch, dass wir günstige Preise nicht sofort an die Kunden weitergeben können. Ich rechne damit, dass es Ende 2023/Anfang 2024 für die Kunden wieder günstiger wird. Der Bund unterstützt das ja insofern, als dass die Gaspreisbremse bis Frühjahr 2024 gilt. Dasselbe gilt im Übrigen auch für den Strom. Auch hier haben wir beim Einkauf versucht, das Risiko zu streuen, um einen vernünftigen und verträglichen Preis anzubieten. Nichtsdestotrotz sind das Preise, die wir den Kunden nicht langfristig zumuten können. Auch hier gehe ich für ab Ende 2023 von günstigeren Preisen für unsere Kunden aus. Deshalb raten wir aktuell auch, keine langfristigen Verträge abzuschließen, die länger als ein Jahr Laufzeit haben.

Gab es Kunden, die ihre Gas- oder Stromrechnung nicht mehr bezahlen konnten?

Wir nehmen solche Probleme in unserem Kundenservice sehr ernst und versuchen dann Lösungen mit Ratenzahlungen oder Stundungen zu finden. Ich gehe aber davon aus, dass die Mahnungen im Privatkundenbereich zunehmen werden, weil viele Kunden erst in den nächsten Monaten merken werden, dass es teurer wird. Wer da Probleme hat, dem rate ich, das Gespräch mit uns zu suchen.

Derzeit wird auch diskutiert, ob man die verbliebenen deutschen Kernkraftwerke noch über den 15. April hinaus am Netz lassen sollte. Wie stehen Sie dazu?

Das ist eine schwierige Debatte. Derzeit gilt die Einschätzung der Experten und der Bundesregierung: Am 15. April gehen die deutschen Kernkraftwerke vom Netz. Im Langfristszenario des Wirtschaftsministers bis 2030 soll der Bruttostromverbrauch zu mindestens 80 Prozent aus erneuerbaren Energien gedeckt werden. Da passen weder Kernkraft noch Kohle dazu. Im Gegenzug müssen wir beim Thema Photovoltaik (PV) und Windenergie deutlich an Geschwindigkeit zulegen – auch in Biberach.

Sind das auch Geschäftsfelder, in die die e.wa riss stärker einsteigt?

Mit der Windkraft ist das in unserer Region aufgrund des Bundeswehrflugplatzes in Laupheim rechtlich etwas schwierig. Es wäre natürlich toll, wenn hier mehr möglich wäre. Bei PV sieht das anders aus. So sind wir Mitglied bei den Bürgerenergiegenossenschaften in Attenweiler, Bad Schussenried-Ingoldingen, Laupheim, Riß (Maselheim, Warthausen) und Schemmerhofen. Sobald dort PV-Projekte entstehen, haben wir die Möglichkeit, mit zu investieren. Dass künftig auch auf den Dächern der Biberacher Altstadt mehr möglich sein soll, ist gut. Da würden wir uns ebenfalls freuen, wenn wir zum Zug kommen könnten. Wir werden auch auf die Bürgermeister der Region zugehen mit der Frage nach Potenzialflächen. Wir wollen regional investieren, weil wir regional erzeugte Energie wollen.

Wie sieht es mit Wasserstoff aus?

Wasserstoff ist neben PV ein mögliches Geschäftsfeld. Zusammen mit den Kollegen der Technikwollen wir das Thema angehen. Dabei geht es vor allem um die Frage, wie wir in Deutschland unsere Netze wasserstofffähig machen. Auch hier ist der Druck, schnell zu einer Lösung zu kommen, sehr hoch.

Weiter ist die e.wa riss da schon bei der Nahwärme, oder?

Das ist für mich ein Topthema. Wir sind ja Betreiber des Nahwärmenetzes, das gerade in der Innenstadt gebaut wird, und wir wollen auch für weitere Areale in der Stadt der kompetente Ansprechpartner sein. Die große Herausforderung wird sein: Wie erzeugen wir die Wärme möglichst nachhaltig? Wichtig wird sein, die Wärme-Erzeugung CO2-neutral zu gestalten. Die kalte Nahwärme, die wir seit einigen Jahren im Wohngebiet Hochvogelstraße zum Einsatz bringen, halte ich für ein gutes Modell.

Ist die Gasgewinnung durch Fracking, wie sie vor einigen Jahren hier in der Region kontrovers diskutiert wurde, für Sie eine Alternative?

Generell müssen wir im Energiebereich offen für verschiedene Technologien sein. Aber wenn wir vom vorher bereits erwähnten 80:20-Energiemix ausgehen, dann ist der darin noch enthaltene Gasanteil voraussichtlich nicht Fracking-Gas. Das ist für die Region nicht die Zukunft. Es muss allerdings klar sein, dass jede Energieform, auch Wind und PV, gewisse Belastungen mit sich bringt.

Viele Privatkunden haben in den vergangenen Monaten aus Preisgründen ihren Energielieferanten gewechselt. Wie gehen sie als lokaler Anbieter damit um?

Ich würde mir wünschen, dass die Kunden den Mehrwert eines lokalen Versorgers erkennen. Wir unterstützen Vereine, Veranstaltungen und soziale Projekte in der Region. Wir sind persönlich vor Ort und für die Kunden erreichbar, wenn es Fragen oder Probleme gibt.

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