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e.wa riss lädt ehemalige Bewohner in das Haus in der Ulmer Straße 5

Bild

(vom 09.12.2018)

Immer noch kein Kellergeländer

Monika Fischer (81) und Dieter Schefold (88) schwelgen in Erinnerungen. Es ist ihr Elternhaus, hier sind sie aufgewachsen. Ihr Vater, Wurstfabrikant Eugen Schefold, hatte das Haus in den 1920-er Jahren gekauft, das der Gipsermeister Wilhelm Ascher gebaut hatte. Dessen Ur-Enkel Stefan (53) ist bei dem Treffen ebenfalls dabei. Ebenso Peter Heinkele (78), der ab 1950 seine frühe Jugend hier erlebte.

Melancholische Momente und Heiterkeit mischen sich in Geschichten und Geschichte: Das unbeschwerte Baden in der Riss am Fallenstock nördlich oder an der Oberen Mühle, Holländer-Fahrten auf dem Flachdach der Stadtvilla, Kriegssorgen, Entlausungen von Soldaten im Gesundheitsamt nebenan, unglücklich endende Spritztouren mit dem Auto des Vaters oder ein kleiner Zimmerbrand, weil Bruder Peter immer so gerne gezündelt hatte. Dinge, wie sie jede Familie kennt.

„Bebt das Haus noch, wenn Lastwagen über die Rißbrücke fahren?“, will Monika Fischer wissen, die hier auch Panzer und Militärkolonnen erlebt hat. „Wenn große LKW aus der Freiburger Straße abbiegen, dann spürt man das mitunter“, entgegnet Torsten Wölfle, der bei der e.wa riss fürs Gebäudemanagement zuständig ist. Die Brücke von vor 80 Jahren gäbe es aber nicht mehr. Sie sei erneuert und verbreitert.

Leise knarzen die Holzböden im Flur des Erdgeschosses, das Familie Schefold bewohnt hatte. Und mit dem Betreten sprudeln Erinnerungen: „Der Kachelofen ist noch da!“ Dieter Schefold bleibt andächtig stehen. Die Zimmer werden zugeordnet: Kinderzimmer, Herrenzimmer, Musikzimmer. Im ersten Stock gab es ein Biedermeierzimmer. Dort wohnte zunächst die Großmutter, ab 1944 auch zwei befreundete Familien, die in Friedrichshafen ausgebombt worden waren.

Im zweiten Obergeschoss lebten eine Dame, die die Kinder „Oma Vöhringer“ nannten, sowie Helene Probst. Sie war Sekretärin des damaligen Bürgermeisters Josef Hammer und bis 1965 auch von dessen Nachfolgern, den Oberbürgermeistern Wilhelm Leger und Claus-Wilhelm Hoffmann. In Biberach machte sie sich später einen Namen als Gründerin des „Ledigenheim“ auf dem Bürgerheimareal sowie als SPD-Gemeinderätin. Dieter Schefolds Erinnerungen an die „Oberbürgermeisterin“, so der Volksmund zu der überaus resoluten Dame, sind weniger positiv: Als er sie als Bub nicht mit dem damals gängigen Führer-Gruß angesprochen habe, „hat sie mir eine Ohrfeige gegeben.“

Zusammenkunft
Bild: Monika Fischer (r.) und Dieter Schefold (2.v.r.) bringen Roland Herrmann (l.), Prokurist der e.wa riss Netze GmbH, Peter Heinkele (2.v.l.) und Zimmerermeister Joachim Sälzle (Mitte) mit Ihren Geschichten zum Lachen.

Besonders lebhaft sind die Erinnerungen an die unseligen Jahre. Bevor die französische Kommandantur ins Gebäude kam, waren sechs französische Kriegsgefangene oftmals Gäste. Sie lebten in einer Baracke in Birkendorf. Auf ihrem täglichen Gang zur Arbeit in die Schefold’sche Wurstfabrik in der Bleicherstraße kamen sie am Haus des Chefs vorbei. Und dessen Frau Elisabeth backte ihnen das geliebte Baguette mit Weißmehl. Als Dank schaufelte einer regelmäßig im Keller Kohlen – mit Sondergenehmigung durfte er seinen Weg danach unbewacht fortsetzen. „Er hieß René und sagte zu meiner Mutter, Madame dürfe das nicht“, erinnert sich Monika Fischer. Warmherzig sprechen die Geschwister von „unseren Franzosen“. Der Kontakt zu René sollte noch Jahre halten. Er kam später auch noch nach Biberach zu Besuch.

Die Sorge der Mutter in den Tagen der Bombardierung der östlichen Stadt und des folgenden Einmarsches der Franzosen waren groß. Die Nachbarschaft zu Gaswerk und Firmen wie Handtmann und Gerster sowie die strategischen Lage des Hauses an der Rißbrücke erschienen ihr als Risiko. Und tatsächlich: Beim Einmarsch wurde das ehemalige Gesundheitsamt nebenan getroffen. Ein Zünder funktionierte glücklicherweise nicht.

Für die Familie waren es bange Wochen, erzählen sie in dem Kellerraum, den die Eltern zum Luftschutzraum ertüchtigt hatten: „Die Regale dürften noch original sein“, schätzt Dieter Schefold. Er hatte es beim großen Angriff in allerletzter Sekunde hierher geschafft, nachdem er zuvor im Freien noch in die geöffneten Bombenschächte der französischen Jets geschaut hatte. Seine jüngere Schwester erinnert sich an diese Stunden: „Als knapp Achtjährige wünschte ich mir, auch mal so eine starke Mama zu werden wie meine.“ Ihr Bruder nickt gedankenversunken.

Vor dem Einmarsch der Franzosen hatten Schefolds wichtige Wertsachen unter dem Apfelbaum an der Nordseite des Gebäudes vergraben. Es war ein Jakob-Fischer-Baum, den der Bachlanger Gärtner Übele vom Ur-Baum bei Steinhausen/Rottum aufgepfropft hatte: „Die besten Jakob-Fischer-Äpfel, die ich je gegessen habe“, schwelgt Monika Fischer.

Die Ulmer Straße 5 wurde beim Einmarsch von Zerstörung und Plünderung verschont: „Unsere französischen Kriegsgefangenen hatten sich nämlich dort postiert und ihre Landsleute abgehalten“, erinnert sich Dieter Schefold. Sie begrüßten die Familie freudig bei ihrer Rückkehr aus der Wurstfabrik, wohin die Eltern sich mit ihren drei Kindern geflüchtet hatten. Später, fährt er fort, hätten sie dafür gesorgt, dass die französische Offiziersmesse ins Erdgeschoss kam (die Familie behielt nur zwei Zimmer) und Oberst Lefèvre im ersten Stock logierte: „Die Soldaten seien anständige Leute, die uns nichts tun, sagten sie uns.“

Mehr als eine Stunde dauert der Rundgang vom Dachgeschoss, wo einst große Mengen Löschsand lagerten, bis in den Keller. Im Treppenhaus liegen noch die Original-Fliesen. „So etwas findet man heute bei Ausgrabungen“, lacht Monika Fischer. Und auf der Kellertreppe murmelt sie: „Noch immer kein Geländer.“ An diesem sonnigen Herbstnachmittag rückt für die Besucher Vergangenes in die Gegenwart. Schmerzlich ist die Erinnerung an den frühen Tod des Vaters 1947. Drei Jahre später zogen die Schefolds aus. Mutter Elisabeth hatte in der Vorarlberger Straße ein Haus gebaut.

Dann zog Familie Heinkele für einige Jahre ins Erdgeschoss. Auch Peter Heinkele erzählt von glücklichen Jugendtagen nahe der Riss und spricht von der Nachbarschaft: Schräg gegenüber habe die Künstlerfamilie Lesehr gewohnt, die Musikerfamilie Haux, die Familie Schultes, deren Sohn später Oberbürgermeister von Reutlingen war, sowie Familie Schelle, die sich um das Andenken Christoph-Martin Wielands verdient gemacht hat.

Zum Abschluss des Hausbesuches haben Lisa Schröder und Torsten Wölfle im Erkerzimmer eine Kaffeetafel aufgebaut. „Das war unser Lieblingsplatz mit Rundumblick“, erinnern sich die ehemaligen Bewohner. Viel Lachen und heiteres Erinnern herrscht in der Runde. Gebannt hört auch Stefan Ascher zu, der Urenkel des Erbauers. In seiner Familie sei das Haus nicht mehr präsent gewesen. Umso mehr freut er sich, dass ihm der Stuck an den Decken so bekannt vorkommt, und zwar aus den Häusern der Familie in der Viehmarktstraße: „Da hat sich der Opa wohl was vom Uropa abgeschaut, als er die gebaut hat.“

„Habt Ihr schöne Büros!“, so Monika Fischer bei der Verabschiedung. Sie habe alles erkannt, das Haus sei absolut erhaltenswert mit guter Bausubstanz und herrlichem Grundriss. Peter Heinkele lobt die e.wa riss für den „Verdienst, dieses Schmuckstück erhalten zu haben“. Ewa-Netze Prokurist Roland Herrmann und Torsten Wölfle sind sich einig, dass man nicht alles erhalten müsse: „Man muss aber nachdenken, was man erhält.“ Dieter Schefold nickt still. Neben Dankbarkeit schwingt bei ihm auch Wehmut mit.

Info: Das Haus Ulmer Straße 5 hat der Gipsermeister Wilhelm Ascher erbaut (Baugenehmigung 1904). Um das Jahr 1920 übernahm es der Wurstfabrikant Eugen Schefold. Auf Vermittlung der Molkerei Hans Bilger erwarb es 1950 der Milchwirtschaftliche Verband Württemberg-Hohenzollern, der das Dach umbaute. 2002 kaufte die e.wa riss das Gebäude. Vergangenes Jahr hat sie es für 330.000 Euro saniert. Wurde es bis etwa 1960 vornehmlich als Wohnhaus genutzt, wurde es nach und nach zu einem Geschäftshaus für mehrere Firmen, Agenturen und den so genannten „Milchprüfring“. Für e.wa riss und Stadtwerke bietet es nun eine räumliche Entlastung der beengten Verhältnisse im Hauptgebäude Freiburger Straße 6.

Männer
Bild (v.r.): Die Runde wirft einen Blick auf den alten Lageplan des Geländes. Für Peter Heinkele, e.wa Netze Prokurist Roland Herrmann, e.wa Gebäudemanager Thorsten Wölfle, Monika Fischer, ihren Bruder Dieter Schefold und Stefan Ascher war die Hausbegehung ein besonderer Tag.
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